Die Frauen sollen in den Gemeinden schweigen?

1.Korinther 14, 29-35 (Luther)
29 Auch von den Propheten lasst zwei oder drei reden, und die andern lasst darüber urteilen. 30 Wenn aber einem andern, der dabeisitzt, eine Offenbarung zuteil wird, so schweige der Erste. 31 Ihr könnt alle prophetisch reden, doch einer nach dem andern, damit alle lernen und alle ermahnt werden. 32 Die Geister der Propheten sind den Propheten untertan. 33 Denn Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens. Wie in allen Gemeinden der Heiligen 34 sollen die Frauen schweigen in der Gemeindeversammlung; denn es ist ihnen nicht gestattet zu reden, sondern sie sollen sich unterordnen, wie auch das Gesetz sagt. 35 Wollen sie aber etwas lernen, so sollen sie daheim ihre Männer fragen. Es steht der Frau schlecht an, in der Gemeinde zu reden.

Ein Kommentar zum Bibeltext:

Wenn wir 1.Korinther 14 von allen Seiten eingehend betrachten, erscheint folgendes
Bild: In den Versammlungen in Korinth herrschte schieres Chaos. Viele Gläubige
sprachen gleichzeitig in Zungen und niemand legte aus, was gesprochen wurde. Einige
prophezeiten gemeinschaftlich. Und was manche der Propheten sagten, bedurfte
dringend der Überprüfung. Traurigerweise taten das aber nur einige wenige.

[...]

Und obendrein unterbrachen die Frauen die jeweiligen Redner auch noch ständig mit
Fragen. Ihre Motivation war, zu verstehen und zu lernen. Aber sie sorgten damit auch für
weitere Ablenkung in einer ohnehin sehr aufgewühlten Versammlung.

Zur damaligen Zeit war es zwar für die Zuhörer durchaus üblich, denjenigen, der lehrte
durch Zwischenfragen zu unterbrechen. […] Wir müssen bedenken, dass im
ersten Jahrhundert die Frauen- egal ob jüdisch oder heidnisch- meist ungebildet waren.
Ausnahmen waren höchst selten.

[...]

In 1.Korinther 14 setzt sich Paulus mit diesem ganzen Chaos auseinander. Als erstes
spricht er über den Missbrauch und den falschen Gebrauch der Zungenrede und gibt
Richtlinien für ihren sinnvollen Einsatz (1.Kor. 14, 1-28). Danach wendet er sich dem
Geben von Prophetien und deren Beurteilung zu (1.Kor. 14, 29-34).

[...]

Behalten wir das im Hinterkopf und schauen uns den Vers noch einmal an:

„Wenn sie aber etwas LERNEN möchten, sollen sie zu Hause ihren Mann
fragen; denn es ist schändlich für eine Frau, in der Gemeinde zu REDEN.“
Hier besteht zweifellos ein Zusammenhang zwischen „lernen“ und „reden“. Die einzige
Art zu reden, die Paulus in diesem Abschnitt einschränkt ist die, Fragen zu stellen.

[...]

Um das zu bekräftigen, das Griechische Wort für „schweigen“ ist sigao. Es bedeutet, sich
vorübergehend still zu verhalten, etwa in dem Sinne, dass jemand ruhig ist, um zu
verstehen, was der andere zu sagen hat.

Erklärung

1. Die Gemeindeversammlungen in Korinth waren chaotisch. Paulus wollte dort Ordnung schaffen.
2. Ein Grund für die Unordnung war: Es war damals üblich, während der Verkündigung Fragen an den Redner zu stellen, zum besseren Verständnis. Nur waren die Frauen damals sehr ungebildet. Deshalb verstanden sie sehr wenig und fragten dauernd etwas. Wie soll aber jemand seine Predigt halten, wenn er „nach fast jedem Satz“ unterbrochen wird und eine Frage beantworten soll?
3. Die Lösung von Paulus: Die Frauen sollten während der Predigt „vorübergehend schweigen“ (sigao). Die gebildeten Männer hatten so die Möglichkeit, aus der Predigt zu lernen. Wenn den Frauen etwas unklar war, sollten die Männer es ihnen zu Hause erklären.

Der Bibeltext macht keine Aussage darüber, ob Frauen lehren dürfen, falls sie über genügend Bildung verfügen. Er verbietet nur, dass Frauen während des Gottesdienstes Fragen stellen, mit der Begründung, dass sie ungebildet sind. Heutzutage sind Frauen aber oft nicht ungebildet, weswegen auch das in diesem Fall nicht mehr gilt.
Gleichzeitig dürfen aber ungebildete Männer auch keine Fragen im Gottesdienst stellen.