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pray.de | Warum nicht auch Frauen?!






Warum nicht auch Frauen?!



Buchzusammenfassung

März
2004


Dies
ist eine sehr interessante Abhandlung, in der es
um die Rolle der Frau in der Ehe und in der Gemeinde geht. Es geht ebenfalls
um
die
Frage,
ob
nicht
auch
Frauen in Gemeinden lehren oder Gemeinden leiten dürfen. Die Bibel ist
an vielen Stellen jahrhundertelang frauenfeindlich interpretiert worden. Im
Laufe dieses Artikels werden nun solche Missverständnisse aufgedeckt
und die vielen kontroversen Bibelstellen in ein neues "Licht" gestellt. Es
handelt sich um eine Zusammenfassung des englischen Buches "Why Not Women?",
das Loren Cunningham (Gründer von "Jugend mit einer Mission")
und David Joel Hamilton vor wenigen Jahren geschrieben haben.

Werner Ditz hat sich monatelang sehr intensiv mit diesem Buch auseinandergesetzt
und hat seine persönlichen Notizen hier einmal stark gekürzt und überarbeitet niedergeschrieben. Das Buch ist leider noch nicht übersetzt
worden; es kann aber im Original bestellt werden bei: Youth With A Mission
Publishing, P.O. Box 55787, Seattle, WA 98155, USA
// www.ywampublishing.com oder
bei amazon.de.

Werner Ditz hat bereits im Januar/Februar eine erste Seminarreihe zu dem Thema "Frauen im Licht der Bibel" veranstaltet und steht Anfragen zu weiteren Seminaren sehr offen gegenüber.

Die Kassettenserie zu dem Seminar kann bei der Apostel-Petrus-Gemeinde in Berlin bestellt werden unter: apg@apg-berlin.de. (Kosten: 5 Kassetten zum Gesamtpreis von 10,00 � zzgl. 3,00 � Versandkosten)
[dk]




Es ist höchste Zeit


Der Missionsauftrag Jesu ist an alle seine Nachfolger gerichtet, an Männer und an Frauen. Er beinhaltet den Verkündigungs- und Lehrauftrag. Bevor die männlichen und weiblichen Jünger diesen Auftrag begannen, sollten sie die Ausrüstung mit der Kraft Gottes erhalten. Joels Verheißung erfüllte sich an Pfingsten. Männer und Frauen sollen die Ausgießung des Heiligen Geistes erfahren und weissagen (Apg. 2,17-18).

Weissagen oder prophetisches Reden bedeutet, die Botschaft Gottes den Menschen verkünden. Der Teufel versucht, die Ausbreitung des Reiches Gottes zu verhindern, indem er die Frauen vom Verkündigungs- und Lehrdienst ausschließen will.



Wie wir wissen was wir glauben


Für die Auslegung der Bibel ist es wichtig, von richtigen Annahmen auszugehen. Falsche Annahmen führen zu falschen Schlussfolgerungen.
Wir müssen zwischen absoluten Wahrheiten und relativen Aussagen unterscheiden. Relative Aussagen gelten für eine bestimmte Situation, Kultur, Ort oder Zeit.
Absolute Wahrheiten gelten immer und überall, ohne Ausnahmen. Finden wir Ausnahmen in der Schrift, so sind die Aussagen relativ.


Beides, die Gesetzlichkeit und der Liberalismus, verdrehen die Wahrheit.

Gesetzlichkeit = macht relative Aussagen zu absoluten Wahrheiten

Liberalismus = macht absolute Wahrheiten zu relativen Aussagen


Wenn nun in der Bibel steht, dass die Frauen in der Gemeinde schweigen sollen und dies absolut zu verstehen sei, hieße dies: Frauen dürften nicht reden, singen, weissagen, beten und auch keine Ansagen in der Gemeindeversammlung durchführen.



Deine Gaben und Bestimmung


Gott hat die Gaben und Dienstgaben im Leib Christi nicht in männliche und weibliche Gaben aufgeteilt. Falls Gott jedoch die Frauen von bestimmten Aufgaben und Funktionen ausschließen wollte, müssten wir eine geschlechtsspezifische Aufteilung der Gaben finden. Dies ist jedoch nicht der Fall! Wofür gibt Gott uns seine Gaben? Dass wir sie nicht einsetzen für das Reich Gottes? Sollten die Frauen die Gaben Gottes nicht einsetzen dürfen?


"Jeder diene mit der Gabe, die er empfangen hat." (1.Petr. 4,10).

Im AT und im NT finden wir Frauen in Leiterschaft (Röm. 16,1-2; 1.Kor. 16,19; Kol. 4,15).
Übrigens: Das Wort "diakonos" - "Diener" wird häufig für einen geistlichen Leiter benutzt (Mt. 20,26).

Frauen als Propheten, Evangelisten und Lehrer


In der Schrift finden wir auch Frauen als Propheten, Evangelisten und Lehrer.


Debora (Richter 4+5), Mirjam (Micha 6,4; 2.Mo. 15,20), Hulda (2.Kö 22,14-16) und Hanna (Lk. 2,36-38) waren Prophetinnen. Debora regierte als Richterin das Volk Israel wie auch Samuel.


Frauen verkünden die gute Nachricht (Ps. 68,12; Joh. 4, 28-30).

Frauen als Lehrer (Apg. 18,26 und Spr. 31,1-4)



Töchter der Pandora - das antike Griechenland



Frauen und Männer hatten nach griechischer Philosophie keinen gemeinsamen Ursprung. Nach Hesiod (griech. Dichter) wurde die Frau Pandora von Zeus geschaffen als Fluch und Strafe für die Männer. Aristoteles sagte:

"Die Frau ist ein Ungeheuer, ein deformierter Mann, eine Missgestalt... Der Mann ist von Natur hochwertiger und überlegen, die Frau minderwertig."

Platos und Aristoteles Ideen wurden weit verbreitet seit vielen Generationen durch die Griechen, Römer, Juden, Araber und Europäer. Sie hatten großen Einfluss auf die Kirche und Gesellschaft.



Töchter der Venus - das antike römische Reich


Das antike römische Reich übernahm die Philosophien der Griechen. Ihre Götter hatten zwar neue Namen, aber die Werte und die Denkweise der Griechen bestimmte ihre Gesellschaft. Äneas galt als Sohn der Göttin Venus, die Sex mit einem Sterblichen hatte. Da die Römer von Äneas abstammten, hatten sie göttlichen Ursprung durch Venus, die Göttin der erotischen Liebe und die Beschützerin der Prostituierten.

Männer konnten niemals ihren Frauen trauen, denn sie waren schließlich Töchter der Venus, die für ihr betrügerisches Herz bekannt war.Frauen galten als minderwertig. Daher wurden sie nicht als Personen behandelt.



Töchter der Eva - die biblische Schöpfung


In der biblischen Schöpfung (1.Mose 1-2) von Mann und Frau sehen wir beide mit einem:


  1. gemeinsamen Ursprung (1.Mo. 1,27; 2,18-24)

  2. gemeinsame Bestimmung (1. Mo. 1, 26-28)

  3. gemeinsame Tragödie (1. Mo. 3)

  4. gemeinsame Hoffnung auf Erlösung (1. Mo. 3, 15)



Mann und Frau wurden als gleichwertige und gleiche Partner nach dem Bild Gottes geschaffen, aus derselben Substanz und mit derselben Bezeichnung "Mensch". "Männin" wurde die Frau genannt, was auf die Gleichheit hinweist. Beide, Mann und Frau, bekamen den gleichen Herrschaftsauftrag über die Erde zu herrschen. Beide sündigten und wurden entsprechend bestraft. Für beide sollte der kommende Retter Jesus geboren werden - die Hoffnung auf die Erlösung.



Die Verzerrung des Bildes


Gottes offenbarte Wahrheit über die Rolle der Frau wurde auch im Judentum verloren. Auch sie behandelten die Frauen nicht als gleichwertige Partner.

Dem Wort Gottes gleichgestellt wurde der Talmud, der die Auslegung der Tora bestimmte. Der Talmud beinhaltet die wichtigsten Lehren der jüdischen Rabbiner, die die Frauen diskriminierten. Sie schlossen die Frauen aus, indem sie erklärten: "Das öffentliche Lesen der Tora durch eine Frau entehrt die Gemeinde." Der Jerusalemer Talmud sagt:

"Lasst die Worte der Tora verbrennen, aber lasst sie nicht in die Hände von Frauen gelangen."

So wurden die Frauen davon abgehalten, die Tora (5 Bücher Mose, Gesetz des Mose) zu studieren. Sie blieben ungebildet und durften nicht gleichwertig den jüdischen Gottesdienst in der Synagoge mitgestalten.



Jesus hat die Mauern niedergerissen


Jesus kam, um die schmerzhaften Konsequenzen der Sünde und der sündhaften Welt zu beenden, was den Riss zwischen Mann und Frau einschließt.

Jesus machte keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern.


Für ihn gab es


  • keine doppelte Moral,
  • keinen Ausschluss von Frauen und
  • keine Begrenzung der göttlichen Bestimmung für Frauen.


Jesus setzte sich für die gleichen Rechte von Männern und Frauen ein. Er lehrte auch Frauen (Lk. 10, 38-42) und diskutierte wichtige theologische Fragen mit Ihnen (Joh. 11,21-27; Joh. 4, 19-27). Damit sprach er sich gegen das Bildungsmonopol der Männer aus. Jesus stellte auch Frauen in den Mittelpunkt seiner Lehre und Handlung. Er verglich seine Tätigkeit, die Verlorenen zu suchen, mit der Tätigkeit einer Frau (Lk. 15,8-10 und Lk. 19,10). Jesus hatte auch Frauen als seine Jünger (Lk.8,1-3). Er beauftragte Frauen, die wichtige Auferstehungsbotschaft zu verkünden (Mt. 28, 5-10).



Paulus hat seine Welt auf den Kopf gestellt - Eph. 5,18 - 6,9



Die Botschaft des Paulus war eine Revolution für seine Welt.
Er erklärte den Heiden, den Sklaven und den Frauen, dass Jesus die trennenden Mauern niedergerissen hatte.

In der antiken Welt war der "Haushalts-Code" eine allgemein anerkannte Grundordnung. Er definierte drei Paare von Beziehungen:


  1. Ehemann und Ehefrau
  2. Vater und Kind
  3. Herr (Gebieter) und Sklave

Jedermanns Rolle in der Gesellschaft wurde durch diesen Haushalts-Code definiert. Dies galt für Griechen, Römer und Juden. Unterordnung war damals eine Einbahnstraße!



Paulus schreibt im neuen Haushalts-Code von der gegenseitigen Unterordnung und beendet damit die Einbahnstraße. Welch eine Revolution! Paulus schreibt von gegenseitigen Pflichten in diesen Beziehungspaaren.

Eph. 5, 21: "Ordnet euch einander unter in der Furcht Christi."


Die Christen sollen sich gegenseitig unterordnen und stehen auf gleicher Ebene - sie sind "eins". Es gibt auch eine Unterordnung ohne Hierarchie!

Die Männer sollen ihre Ehefrauen lieben wie Jesus die Gemeinde geliebt hat. Jesus hat der Gemeinde gedient und sich aufgeopfert für sie. Jesus wird in diesem Bild nicht als Herrscher dargestellt und seine Beziehung zur Gemeinde nicht als Herrschaftsbeziehung.



Die gegenseitige Unterordnung in der Gemeinde wird als Muster genommen für die Beziehung zwischen Ehemann und Ehefrau.

Eph. 5, 21-22: "Ordnet euch einander unter in der Furcht Christi, die Frauen den eigenen Männern als dem Herrn!"


Alle Menschen sind vor Gott gleich. Bei IHM gibt es kein Ansehen der Person.



Gal. 3, 28: "Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus."


Das Evangelium kommt nach Korinth - 1.Kor. 7



Paulus hat im 1. Korinther-Brief mehr über geschlechtsspezifische Fragen geschrieben, als in allen anderen Briefen. Wenn wir ihn lesen, müssen wir bedenken, dass dieser Brief nur die Hälfte des Dialogs darstellt. Es ist wie beim Telefonieren, wenn man nur eine Person hört. Paulus antwortet auf mündliche und briefliche Berichte, die er über die Gemeinde in Korinth erhielt. Die Gemeinde in Korinth war ein Spiegelbild der korinthischen Gesellschaft. Viele Gläubige kamen aus einem Lebensstil des Götzendienstes und sexueller Unmoral. Viele waren arm und ungebildet. Juden und Heiden, Sklaven und Freie, Männer und Frauen waren in der Gemeinde.


In 1.Kor. 7 präsentiert Paulus ein Bild über die Ehe und Ehelosigkeit, das in seiner Einfachheit überrascht. Er hat die doppelte Moral beiseite getan und in gleicher Weise zu Männern und Frauen gesprochen.

Er zeigte eine Symmetrie gegenseitiger Verpflichtungen und Erwartungen.



















An Männer:  An Frauen:
(2a) Aber um Unzucht zu vermeiden, soll jeder Mann seine eigene Frau haben, (2b) und jede Frau ihren eigenen Mann.
(3a) Der Mann leiste der Frau, was er ihr schuldig ist, (3b) desgleichen die Frau dem Mann.
(4a) Die Frau verfügt nicht über ihren Leib, sondern der Mann. (4b) Ebenso verfügt der Mann nicht über seinen Leib, sondern die Frau.








(5) Entziehe sich nicht eins dem andern, es sei denn eine Zeitlang, wenn beide es wollen, damit ihr zum Beten Ruhe habt; und dann kommt wieder zusammen, damit euch der Satan nicht versucht, weil ihr euch nicht enthalten könnt. (=gegenseitiges Einverständnis)

















(11b) ...und dass der Mann seine Frau nicht entlassen soll. (10b) ...dass die Frau sich nicht von ihrem Manne scheiden soll.
(11a) - hat sie sich aber geschieden, soll sie ohne Ehe bleiben oder sich mit ihrem Mann versöhnen -
(12) ...Wenn ein Bruder eine ungläubige Frau hat und es gefällt ihr, bei ihm zu wohnen, so soll er sich nicht von ihr scheiden. (13) Und wenn eine Frau einen ungläubigen Mann hat und es gefällt ihm, bei ihr zu wohnen, so soll sie sich nicht von ihm scheiden.
(14a) Denn der ungläubige Mann ist geheiligt durch die Frau, (14b) und die ungläubige Frau ist geheiligt durch den gläubigen Mann...









(15) Wenn aber der Ungläubige sich scheiden will, so lass ihn sich scheiden. Der Bruder oder die Schwester ist nicht gebunden in solchen Fällen. Zum Frieden hat euch Gott berufen.













(16b) Oder du, Mann, was weißt du, ob du die Frau retten wirst? (16a) Denn was weißt du, Frau, ob du den Mann retten wirst?
(32b) Wer ledig ist, der sorgt sich um die Sache des Herrn, wie er dem Herrn gefalle;

(33) wer aber verheiratet ist, der sorgt sich um die Dinge der Welt, wie er der Frau gefalle, und so ist er geteilten Herzens.
(34) Und die Frau, die keinen Mann hat, und die Jungfrau sorgen sich um die Sache des Herrn, dass sie heilig seien am Leib und auch am Geist; aber die verheiratete Frau sorgt sich um die Dinge der Welt, wie sie dem Mann gefalle.


Paulus betont auch den Wert der alleinstehenden Frau. Sein Prinzip war, dass jeder so leben sollte, wie Gott ihn berufen hatte. Die Ehe sollte nicht länger das einzige Lebensziel für Frauen sein. Die Frauen und Männer sollten die Freiheit haben, ledig zu bleiben.



Die Frage des "Hauptes" - 1.Kor. 11,2-16 (Teil 1)




1.Kor. 11,2-16:

(2) Ich lobe euch, weil ihr in allen Stücken an mich denkt und an den Überlieferungen festhaltet, wie ich sie euch gegeben habe.

(3) Ich lasse euch aber wissen, dass Christus das Haupt eines jeden Mannes ist; der Mann aber ist das Haupt der Frau; Gott aber ist das Haupt Christi.

(4) Ein jeder Mann, der betet oder prophetisch redet und hat etwas auf dem Haupt, der schändet sein Haupt.

(5) Eine Frau aber, die betet oder prophetisch redet mit unbedecktem Haupt, die schändet ihr Haupt; denn es ist gerade so, als wäre sie geschoren.

(6) Denn wenn eine Frau sich nicht verhüllt, so werde ihr auch das Haar abgeschnitten; wenn es aber für eine Frau schändlich ist, dass ihr das Haar abgeschnitten oder geschoren wird, so soll sie sich verhüllen.

(7) Der Mann aber soll das Haupt nicht bedecken, denn er ist Gottes Bild und Abglanz; die Frau aber ist des Mannes Abglanz. (wörtl. Ehre, Herrlichkeit).

(8) Denn der Mann ist nicht von der Frau, sondern die Frau von dem Mann.

(9) Und der Mann ist nicht geschaffen um der Frau willen, sondern die Frau um des Mannes willen.

(10) Darum soll die Frau eine Macht auf dem Haupt haben um der Engel willen.

(11) Doch in dem Herrn ist weder die Frau etwas ohne den Mann noch der Mann etwas ohne die Frau;

(12) denn wie die Frau von dem Mann, so kommt auch der Mann durch die Frau; aber alles von Gott.

(13) Urteilt bei euch selbst, ob es sich ziemt, dass eine Frau unbedeckt vor Gott betet.

(14) Lehrt euch nicht auch die Natur, dass es für einen Mann eine Unehre ist, wenn er langes Haar trägt,

(15) aber für eine Frau eine Ehre, wenn sie langes Haar hat? Das Haar ist ihr anstatt eines Schleiers gegeben.

(16) Ist aber jemand unter euch, der Lust hat, darüber zu streiten, so soll er wissen, dass wir diese Sitte nicht haben, die Gemeinden Gottes auch nicht.


Obwohl wir gesehen haben, dass Gott die Frauen und Männer gleich behandelt und sie gleichermaßen begabt, dass Reich Gottes zu verkünden, bereiten 3 Aussagen des Paulus ein Problem für Frauen, die Gott gehorchen wollen und sich zu einem öffentlichen geistlichen Dienst berufen fühlen:


  1. Das Haupt einer Frau ist der Mann. (1.Kor. 11,3)
  2. Frauen sollen in der Gemeinde schweigen. (1.Kor. 14,34)
  3. Einer Frau gestatte ich nicht zu lehren. (1.Tim. 2,12)


Wir werden uns diese Aussagen in den nächsten Kapiteln noch genauer ansehen und die Fragen beantworten, die sie hervorrufen.



Paulus benutzte in diesem Text eine verbreitete Lehrmethode, die "Wechsel" genannt wurde. Er wechselte zwischen zwei verschiedenen Ideen, die unterschiedlich sind aber doch zueinander in Beziehung stehen. Gelehrte nennen sie die A-B-A-B Struktur.



Struktur des Abschnitts 1.Kor. 11, 2-16
































Struktur Verse
Einführung 2
A - richtige Haltung 3
B - richtige Kleidung 4-7
A - richtige Haltung 8-12
B - richtige Kleidung 13-15
Schlussfolgerung 16


Zunächst wollen wir uns mit der A-Seite befassen - der richtigen inneren Haltung.




Das Haupt einer Frau ist der Mann. (1.Kor. 11,3)



Was meinte Paulus mit dem Ausdruck "Haupt" (gr. "kephalä")?


Wie im deutschen ist dieses Wort gebraucht für den Kopf unseres Körpers und es wird verwendet für viele bildliche Bedeutungen.
Über die Bedeutung im übertragenen Sinn sind sich die Experten nicht einig.
Streitfrage: Bedeutet das Wort "kephalä" im übertragenen Sinn "Autorität/Leiter" oder hat es die Bedeutung von "Quelle/Ursprung"?


Die Bedeutungen von Wörtern können sich im Laufe der Zeit ändern. Um herauszufinden, wie Paulus diesen Begriff gebraucht hat, wurde die Septuaginta (griech. Übersetzung des AT) untersucht. Wie wurde das hebr. Wort für Haupt "rosch" ins Griechische übersetzt?

Ergebnis: Wenn die bildliche Bedeutung Leiter oder Herrscher war, wurde nur in 5% der Fälle (9 von 180) das Wort "kephalä" benutzt. Das heißt: in 95% der Fälle (171 von 180) wurde ein anderes Wort benutzt, wenn es um Leiter oder Herrscher ging.



Um es einfach zu sagen: Es ist möglich, dass Paulus das Wort "kephalä" gebraucht hat in der Bedeutung von Leiter oder Herrscher. Dies ist jedoch unwahrscheinlich, weil das Wort selten mit dieser Bedeutung (5%) gebraucht wurde.



Wenn wir die zwei verschiedenen Bedeutungen für "Haupt/kephalä" in den Text einsetzen, nämlich Autorität/Leiter oder Quelle/Ursprung - kommen wir zu folgenden zwei Alternativen:




  1. Ich lasse euch aber wissen, dass Christus die Autorität/Leiter eines jeden Mannes ist; der Mann aber ist die Autorität/Leiter einer Frau; Gott aber ist die Autorität/Leiter Christi.

  2. Ich lasse euch aber wissen, dass Christus die Quelle/Ursprung eines jeden Mannes ist; der Mann aber ist die Quelle/Ursprung einer Frau; Gott aber ist die Quelle/Ursprung Christi.


Hamilton zeigt auf, dass es gute Gründe gibt für die Annahme, dass Paulus mit "kephalä" die Bedeutung von Quelle/Ursprung gemeint hat. Der Textzusammenhang und die Septuaginta weisen darauf hin.




Paulus gibt damit in Vers 3 eine chronologische Reihenfolge:


  1. Christus ist der Ursprung eines jeden Mannes als Schöpfer (Joh. 1)
  2. Der Mann Adam war der Ursprung für die Frau Eva.
  3. Gott ist der Ursprung des Christus; er hat den Messias als Retter in die Welt gesandt.

Jesus existierte schon vor seiner Menschwerdung im Himmel. Jedoch wurde er als Menschensohn vom Heiligen Geist gezeugt und hatte einen menschlichen Anfang. Wenn Paulus von einer göttlich eingerichteten Hierarchie gesprochen hätte, hätten wir erwartet, dass er oben anfängt und sich dann nach unten durcharbeitet.



Dann hätte seine Hierarchie so ausgesehen:
Gott --> Christus --> Mann --> Frau



Ein weiterer Grund zu glauben, dass die Bedeutung von Kopf/"kephalä" als Quelle/Ursprung verstanden werden sollte, basiert auf den theologischen Folgen für das dritte Paar (Christus und Gott). Nach Hamiltons Ansicht gibt es keine Hierarchie in der Trinität. Wir wissen, dass Jesus sich freiwillig dem Willen des Vaters untergeordnet hat während seines Dienstes auf der Erde. Aber das bedeutet nicht, dass er in permanenter einseitiger Unterordnung zum Vater steht.


Die gegenseitige Unterordnung, die wir im Leib Christi haben sollten fließt aus der gegenseitigen Unterordnung, die die Mitglieder der Trinität (Vater, Sohn und Heiliger Geist) zueinander haben.




Wir sehen in der Bibel wie die einzelnen Mitglieder der Trinität sich liebevoll gegenseitig ehren.


  1. Der Vater empfiehlt immer den Sohn und arbeitet durch den Geist.
  2. Der Sohn ordnet sich dem Vater unter und fördert den Heiligen Geist.
  3. Der Heilige Geist zeigt auf den Sohn und tut, was der Vater sagt.


Die Trinität ist das höchste Modell der Dienerschaft, die einander in Liebe und Ehre vorziehen, die sich immer gegenseitig unterordnen in perfekter Einheit.



Gebet und prophetisches Reden - 1.Kor. 11, 2-16 (Teil 2)



Wir kommen jetzt zum Teil B der A-B-A-B Struktur.
Paulus spricht über die angemessene Kleidung für diejenigen, die einen öffentlichen geistlichen Dienst ausüben. Er spricht zu Männer und zu Frauen!



Das offensichtliche in diesem Abschnitt dürfen wir jedoch nicht übersehen!








(4) Ein jeder Mann, der betet oder prophetisch redet... (5) Eine Frau aber, die betet oder prophetisch redet...


Paulus sprach zu Männern und zu Frauen, was sie bei ihrem geistlichen Dienst im öffentlichen Gottesdienst tragen sollten, weil er von beiden erwartet hat, dass beide - Männer und Frauen - diesen geistlichen Dienst ausführen würden.



Wen hat Paulus korrigiert? Paulus hat Männer und Frauen gleichermaßen wegen unpassender Kleidung korrigiert! Da wir nur die Antwort des Paulus lesen, können wir nicht absolut sicher sein, welche Missstände er korrigieren wollte.



Die Haarmoden waren unterschiedlich für Juden, Griechen und Römer. Und das, was die Menschen auf dem Kopf trugen, hatte unterschiedliche Bedeutungen. Die Römer z. B. betrachteten den Schleier als Zeichen einer freien verheirateten Frau und würden es nicht erlauben, dass eine Sklavin oder ehemalige Prostituierte diese Kleidung der Adeligen trägt.



Was hat Paulus in 1. Kor. 11 angesprochen?

Sollten ehemalige Prostituierte Jesus in der gleichen Weise anbeten, wie sie vorher Aphrodite angebetet haben oder wie sie sich früher öffentlich "angeboten" haben - nämlich mit unbedecktem Kopf?
Oder könnte es sein, dass Paulus darauf bestanden hat, dass die Frauen einen Schleier tragen, um den Sklavinnen und Ex-Prostituierten dieselbe Ehre zukommen zu lassen, wie sie die Freien Frauen hatten? Wollte er damit auch die Gleichheit aller Frauen vor Gott und in der Gemeinde unterstreichen?



Vielleicht ist es auch nicht notwendig, alle historischen Hintergründe zu klären. Wir hatten bereits über absolute Wahrheiten und relative Aussagen gesprochen. Paulus macht es sehr klar, dass seine Lehre von der jeweiligen Kultur abhängig war.



Seine Anweisungen sollten nur befolgt werden, wenn ...

1.Kor. 11,6: "Denn wenn eine Frau sich nicht verhüllt, so werde ihr auch das Haar abgeschnitten; wenn es aber für eine Frau schändlich ist, dass ihr das Haar abgeschnitten oder geschoren wird, so soll sie sich verhüllen." (Elberfelder Übersetzung)


Das heißt im Umkehrschluss: Wenn es für eine Frau keine Schande darstellt, dass sie kurzes Haar hat, dann braucht sie auch ihren Kopf nicht zu bedecken!

1.Kor. 11,13: "Urteilt bei euch selbst, ob es sich ziemt, dass eine Frau unbedeckt vor Gott betet."


Auch mit diesem Vers fordert uns Paulus auf, selbst zu entscheiden, was für unsere Kultur angemessen ist. Ob sich etwas ziemt oder als anständig (Elberfelder Übersetzung)
empfunden wird, ist eine Frage der Kultur.


Die richtige innere Haltung sollte die äußere Erscheinung bestimmen!


Sollen die Frauen schweigen? - 1.Kor. 14, 26-40 (Teil 1)
































Generelles
Prinzip
(26)
Wie ist es denn nun, liebe Brüder? Wenn ihr zusammenkommt, so hat
ein jeder einen Psalm, er hat eine Lehre, er hat eine Offenbarung, er hat
eine Zungenrede, er hat eine Auslegung. Lasst es alles geschehen zur Erbauung!
A1 (27)
Wenn jemand in Zungen redet, so seien es zwei oder höchstens drei,
und einer nach dem andern; und einer lege es aus.

(28) Ist aber kein Ausleger da, so schweige er in der Gemeinde und rede
für sich selber und für Gott.
B1 (29)
Auch von den Propheten lasst zwei oder drei reden, und die andern lasst
darüber urteilen.

(30) Wenn aber einem andern, der dabeisitzt, eine Offenbarung zuteil wird,
so schweige der erste.

(31) Ihr könnt alle prophetisch reden, doch einer nach dem andern,
damit alle lernen und alle ermahnt werden.

(32) Und die Geister der Propheten sind den Propheten untertan.
Prinzip
wiederholt
(33)
Denn Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens wie in
allen Gemeinden der Heiligen. (Anm. d. Autors: Punktsetzung angepasst)
C1 (34)
Die Frauen sollen schweigen in der Gemeindeversammlung; denn es ist ihnen
nicht gestattet zu reden, sondern sie sollen sich unterordnen, wie auch
das Gesetz sagt.
C2 (35)Wenn
sie aber etwas lernen wollen, so sollen sie daheim ihre eigenen Männer
fragen; "denn es ist schändlich für eine Frau, in der Gemeinde
zu reden." (Anm. d. Autors: Anführungszeichen für mögliches
Zitat)

(36) Oder ist das Wort Gottes von euch ausgegangen? Oder ist es zu euch
allein gelangt?

(37) Wenn einer meint, er sei ein Prophet oder vom Geist erfüllt,
der erkenne, dass es des Herrn Gebot ist, was ich euch schreibe.

(38) Wer aber das nicht anerkennt, der wird auch nicht anerkannt.
B2,
A2
(39)
Darum, liebe Brüder, bemüht euch um die prophetische Rede und
wehrt nicht der Zungenrede.
Prinzip
bestätigt
(40)
Lasst aber alles ehrbar und ordentlich zugehen.

Paulus war nicht gegen das öffentliche Reden der Frauen. Vielmehr hat
er die Art und Weise, wie die Frauen öffentlich redeten, korrigiert.


Da das antike Griechisch keine Punktsetzung kannte, mussten die modernen Übersetzer
bestimmen, wo ein Satz beginnt und wo ein Satz endet. Manchmal führt eine
unterschiedliche Punktsetzung zu einer anderen Auslegung. Nach Hamilton erscheint
es deshalb im Gesamtzusammenhang sinnvoll, den Punkt nach Vers 33 zu setzen,
wie dies auch in einigen Übersetzungen zu finden ist. Dadurch ergibt sich
eine andere Betonung.


1. Kor. 14, 26-40:

(33) Denn Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens wie in
allen Gemeinden der Heiligen.

(34) Die Frauen sollen schweigen in der Gemeindeversammlung; denn es ist ihnen
nicht gestattet zu reden, sondern sie sollen sich unterordnen, wie auch das
Gesetz sagt.

Wird der Punkt dahinter gesetzt, so betont man, dass Gott in allen Gemeinden
ein Gott der Ordnung ist und folglich will, dass alle (Männer und Frauen)
geordnet und einer nach dem anderen sprechen sollen.


Paulus hat in diesem Abschnitt zwei bekannte literarische Schreibmuster miteinander
verschmolzen:


1. Struktur-Muster: Vom Allgemeinen zum Besonderen (Spezifizierung)


Der Schreiber gibt zuerst eine allgemeine Erklärung oder These ab und
illustriert diese dann mit konkreten Beispielen (Spezifizierungen).


In diesem Abschnitt hat Paulus diesem Muster noch eine besondere Note gegeben,
indem er seinen Hauptgedanken (sein allgemeines Prinzip) dreimal betont hat
und zwar am Anfang (V. 26), in der Mitte (V. 33) und am Schluss (V. 40).

Sein Hauptgedanke war, dass alle am Gottesdienst mitmachen sollten und dies
in einer ordentlichen und aufbauenden Weise, da Gott ein Gott der Ordnung ist.


Dann hat Paulus das Prinzip mit drei Beispielen erläutert. Die Beispiele
betrafen diejenigen, die

  1. in Zungen (oder Sprachen) redeten
  2. die prophetisch redeten und
  3. das Reden der Frauen

2. Struktur-Muster: Der Chiasmus


Der Autor schreibt z.B. seine Aussagen nach folgendem Muster auf: Idee A,
Idee B, Idee C, Idee D; dann rudert er zurück in umgekehrter Reihenfolge.
Der Autor kann wenige oder viele Punkte (Ideen) in seinem Muster verwenden.
Aber in allen Chiasmen ist der zweite Teil ein Spiegelbild des ersten Teils.



Hamiliton zeigt auf, dass es gute Gründe gibt zu glauben, dass Paulus
eine gegenteilige Meinung in Vers 35b zitiert hat.


1. Korinther 14, 35-37:

(35) Wenn sie aber etwas lernen wollen, so sollen sie daheim ihre eigenen Männer
fragen. "Denn es ist schändlich für eine Frau, in der Gemeinde zu
reden." [Anm. d. Autors: Anführungszeichen stehen für mögliches
Zitat]

(36) "Unsinn!" Ist das Wort Gottes von euch ausgegangen? "Was?" Ist's allein
zu euch gekommen? [Anm. d. Red.: Anführungszeichen stehen für spezielles
griech. Wort (s. u.).]

(37) Wenn einer meint, er sei ein Prophet oder vom Geist erfüllt, der
erkenne, dass es des Herrn Gebot ist, was ich euch schreibe.

Ein wichtiger Hinweis, dass er die Meinung eines Anderen zitiert, war der
Gebrauch eines winzigen Wortes: "?" - "ä". Es wird definiert als eine
trennende, ausschließende Verbindung, die oft mit dem Wort "oder", oder
mit dem Wort "als" (bei der Steigerung) oder manchmal mit "Was?!" übersetzt
wurde (Strongs-Concordance).

Dieses Wort wird unterschiedlich gebraucht. Manchmal benutzte Paulus es als
eine emotionale Widerlegung, um seine Missbilligung gegenüber bestehenden
Situationen oder Ansichten auszudrücken. Griechische Gelehrte nennen es
auch "Kraftausdruck der Nicht-Übereinstimmung".


Nach Ansicht von David Hamilton kann dieses emotionale Wort der Nicht-Übereinstimmung
auch mit folgenden Wörtern übersetzt werden: "Was?" oder "Unsinn!" oder "Keinesfalls!"

Könnte es sein, dass Paulus in 1.Kor. 14, 35b die Meinung einiger Männer
aus Korinth zitiert und in den Versen 36 und 37 den Männern mit seiner
Missbilligung etwa so antwortet:

"Blödsinn! Ist das Wort Gottes von euch Männern
ausgegangen? Was? Ist das Wort Gottes allein euch Männern verkündet
worden? Wenn jemand vom Geist erfüllt ist, dann versteht er, was ich euch
schreibe."

Die Hauptaussage des Abschnitts ist: Gott ist ein Gott der Ordnung! Es gehört
zur Ordnung, dass nicht alle gleichzeitig reden, sondern immer einer nach dem
anderen redet. Darin bestand die Korrektur des Paulus (V. 27+31).


In A1, B1 und C1 hat er die einzelnen Gruppen korrigiert, damit sie in geordneter
Weise kommunizieren. Danach hat er in umgekehrter Reihenfolge (C2, B2, A2)
die Rechte der einzelnen Gruppen zur Kommunikation verteidigt gegenüber
denen, die sie ganz zum Schweigen bringen wollten.




Das Dienen lernen - 1.Kor. 14,26-40 (Teil 2)


Über die Jahre wurde der Schwerpunkt des Abschnitts nur auf eine Aussage
gelenkt: "Die Frauen sollen schweigen...". Übersehen wird leider, dass
Paulus seine Anweisung "zu schweigen", an Männer und Frauen gleichermaßen
gerichtet hat. Alle drei Gruppen wurden aufgefordert zu schweigen, wenn sie
nicht an der Reihe waren zu reden. Exakt die gleichen griechischen Worte wurden
für das "schweigen" gebraucht.


Wir sehen aus dem Zusammenhang, dass die Anweisungen über das Schweigen
jeweils mit dem Gottesdienstablauf zu tun hatten und nicht mit dem Geschlecht.
Wer war wann an der Reihe zu reden? Und nur einer nach dem andern sollte reden.
Ordnung und Frieden sollten den Ablauf bestimmen.


Warum hat Paulus die Frauen korrigiert?


Dafür gibt es mehrere mögliche Gründe:



  • Frauen waren damals ungebildet. Sie könnten den geordneten Gottesdienstablauf
    durch unangemessene Zwischenfragen gestört haben.
  • Einige Frauen könnten durch laute Zwischenrufe oder lautes Schwätzen
    gestört haben.

Wem oder was sollten die Frauen sich unterordnen? Geht es hier um den öffentlichen
Gottesdienst oder um die Ehe?


Die Frauen sollten sich in die Gottesdienstordnung einordnen und sich damit
den Leitern und Leiterinnen der Gemeinde unterordnen, während sie öffentlich
mit ihren Gaben dienten. Und dies ist das gleiche, was er auch den anderen
Männern und Frauen gesagt hat, nämlich den Zungenrednern und Propheten.


Paulus ermutigt die Frauen, zu lernen!

(35) Wenn sie aber etwas lernen wollen, so sollen sie daheim
ihre eigenen Männer fragen...

Paulus wollte, dass die Frauen die Gelegenheit haben, zu lernen. Deshalb seine
Anweisung. Er bestätigte damit ihr Recht, zu lernen. Sie sollten ihre Fragen
nicht während des Gottesdienstes stellen, während eine andere Person
betete oder lehrte oder prophetisch redete.


Wegen der frauenfeindlichen Kultur sind die Frauen mit einem erheblichen Bildungsnachteil
ins Reich Gottes gelangt. Paulus wollte diesen Nachteil ausgleichen und dafür
sorgen, dass auch die Frauen geschult werden und einen geistlichen Dienst ausführen
können.


Einer Frau erlaube ich nicht zu lehren - 1.Tim. 2,1-15 (Teil 1)


[Anm. d. Red.: Es geht hier darum, dass Paulus einer bestimmten Frau das Lehren
verbot.]


Der 1. Timotheus-Brief hat zwei Hauptthemen, die sich gegenseitig immer wieder
abwechseln (verdeutlicht durch literarische Wechsel, oder A-B-A-B Struktur):


  1. Seine Sorge um Timotheus und
  2. seine Sorge um die Gemeinde in Ephesus.

Die Struktur des jetzigen Abschnitts lässt sich so darstellen:























[Alle]
Allgemeines Prinzip
(1)
Ich ermahne nun vor allen Dingen, dass Flehen, Gebete, Fürbitten,
Danksagungen getan werden für alle Menschen,

(2) für Könige und alle, die in Hoheit sind, damit wir ein ruhiges
und stilles Leben führen mögen in aller Gottseligkeit (Frömmigkeit)
und Ehrbarkeit.

(3) Dies ist gut und angenehm vor unserem Heiland-Gott,

(4) welcher will, dass alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis
der Wahrheit kommen.

(5) Denn einer ist Gott und einer ist Mittler zwischen Gott und Menschen,
der Mensch Christus Jesus,

(6)der sich selbst als Lösegeld für alle gab, als das Zeugnis
zur rechten Zeit.

(7) Dafür bin ich eingesetzt worden als Herold (Prediger) und Apostel
- ich sage die Wahrheit, ich lüge nicht - als Lehrer der Nationen
in Glauben und Wahrheit.
[Männer]
Beispiel 1
(8)
Ich will nun, dass die Männer an jedem Ort beten, indem sie heilige
Hände aufheben, ohne Zorn und zweifelnde Überlegung,
[Frauen]
Beispiel 2 - Mehrzahl
(9)
ebenso, dass auch (die) Frauen sich in würdiger Haltung mit Schamhaftigkeit
und Sittsamkeit schmücken, nicht mit Haarflechten und Gold oder Perlen
oder kostbarer Kleidung,

(10) sondern, (mit dem), was Frauen geziemt, die sich zur Gottesfurcht
bekennen, durch gute Werke.
[Frauen]
Beispiel 2 - Einzahl
(11)
Eine Frau lerne in der Stille in aller Unterordnung.

(12) Ich erlaube aber einer Frau nicht zu lehren, auch nicht über
den Mann zu herrschen, sondern (ich will), dass sie sich in der Stille
halte,

(13) denn Adam wurde zuerst gebildet, danach Eva;

(14) und Adam wurde nicht betrogen, die Frau aber wurde betrogen und fiel
in Übertretung.

(15) Sie wird aber durch das Kindergebären gerettet werden...
[Frauen]
Beispiel 2 - Mehrzahl
(15b)
..., wenn sie bleiben in Glauben und Liebe und Heiligkeit mit Sittsamkeit.

Die Struktur ist im Griechischen sehr deutlich:

Paulus hat zuerst über die Frauen im Allgemeinen gesprochen, dann sprach
er über eine ganz bestimmte Frau (Einzahl), dann sprach er wieder über
die Frauen im Allgemeinen. (kleiner Chiasmus: A-B-A).


(9) Desgleichen, dass die Frauen...

Desgleichen heißt: In gleicher Weise. Es ist ein literarisches Gleichheitszeichen
(=). Manche benützen diese Verse, um zu sagen, dass die Rollen von Mann
und Frau in der Gemeinde unterschiedlich sind. Aber Paulus betont nicht die
Unterschiede, sondern die Gleichheiten der Rollen von Mann und Frau. Paulus
wollte, dass die Männer beten und in gleicher Weise wollte er, dass die
Frauen beten.


Es war logisch, dass beide Gruppen (Männer und Frauen) in gottesfürchtiger
Art beten sollten: die Männer in Heiligkeit und ohne Zorn und die Frauen
in Anstand und Schicklichkeit.


Warum die Aufregung über Gold, Perlen und geflochtene Haare?

Damals war die Zurschaustellung von protzigen Kleidern als Zeichen der wahllosen
Geschlechtsbeziehungen betrachtet worden. Das Tragen von Perlen galt damals
als protzige Zurschaustellung von Eitelkeit. Paulus wollte, dass sich die
Frauen auf die inneren Tugenden konzentrierten und in einer Weise lebten,
die angemessen war für die damaligen Frauen.


Eine falsche Lehrerin wird zum Schweigen gebracht


Woher wissen wir, dass Paulus in Vers 11-15a über eine bestimmte Frau
sprach?

Dies ergibt sich aus der klaren griechischen Grammatik. Von Vers 11 bis 15a
sind plötzlich alle Plural-Formen der Hauptwörter verschwunden. Plötzlich
wird in der Einzahl (Singular) geschrieben.


Es gibt aber auch noch andere Hinweise für diese Annahme. Aus den beiden
Timotheus-Briefen wissen wir, dass Timotheus mit vielen falschen Lehrern und
Lehrerinnen zu kämpfen hatte (2.Tim. 2,17-18; 1.Tim. 4,7).

An einigen Stellen schreibt Paulus an Timotheus wie er mit falschen Lehrern
umgehen soll. Dabei benützt er Pronomen, die beide Geschlechter betreffen
können (1. Tim. 1,3; 4,1; 1,5-7; 2.Tim. 3,13).


Auch ein anderer Hinweis deutet auf eine verführte Frau hin:

Paulus vergleicht die Situation der verführten Lehrerin mit der verführten
Eva. Beide wurden vom Teufel betrogen und glaubten seinen Lügen. Die Sünden
beider Frauen haben eine große Anzahl von Menschen negativ beeinflusst.
Daher musste die Frau zum Schweigen gebracht werden und durfte nicht mehr lehren.


Die wohlwollende Lösung des Paulus - 1.Tim. 2,1-15 (Teil 2)


(11) Eine Frau lerne...

Dies ist der einzige Befehl (Imperativ), den Paulus in diesem Abschnitt gibt.
Diese Frau, die falsche Lehren verbreitete, soll lernen. Das heißt, Timotheus
soll dafür sorgen, dass diese Frau unterrichtet wird. Dies war eine gnädige
und wohlwollende Antwort des Paulus bezüglich dieser Problematik.


(11) ...in der Stille in aller Unterordnung.

Die Redewendung "Stille und Unterordnung" war eine häufige Formel für
einen Muster-Studenten im Nahen Osten. Ein Student muss zuhören können
und eine belehrbare Haltung haben. Dies gilt für Männer und auch
für Frauen.


Der Zusammenhang macht klar, was Paulus wollte. Eine Frau verbreitete falsche
Lehren und missbrauchte ihre leitende Position dazu. Die Folge war: sie sollte
nicht mehr lehren dürfen und sie sollte weiterhin keine Leiterposition
mehr in der Gemeinde haben (V. 12).


Ein Student wurde gelehrt, damit er danach andere lehren konnte.

Das Lehren war das normale Ziel des Lernens! Hätte Paulus nicht gewollt,
dass auch Frauen die Bibel lehren, so hätte er nicht die Anweisung gegeben,
dass diese Frau lernen soll.


Paulus wollte, dass auch vertrauenswürdige Frauen lehren.
2. Tim. 2,2: "Und was du von mir in Gegenwart vieler Zeugen
gehört hast, das vertraue treuen Menschen an, die tüchtig sein werden,
auch andere zu lehren."

Dieser Vers ist ein weiterer Hinweis darauf, dass Paulus wollte, dass auch
Frauen lehren.

Hätte Paulus gewollt, dass nur Männer lehren sollen, so hätte
er hier gesagt: "...das vertraue treuen Männern an...". Aber das hat Paulus
nicht gesagt! Im Griechischen steht hier das Wort für Menschen (gr. "anthropos").
Es ist ein geschlechts-einschließendes Wort, es bezieht sich auf Männer
und Frauen.

Timotheus sollte also Männer und Frauen lehren, die fähig sind, später
auch andere zu lehren!


Gerettet durch das "Kindergebären"?


Zurück zum 1. Timotheus-Brief, Kapitel 2:
(15) Sie wird aber durch das Kindergebären gerettet werden...
(Elberfelder Übersetzung)

Achtung: Die Übersetzung der Luther-Bibel ist hier irreführend.
(15) Sie wird aber gerettet werden dadurch, dass sie Kinder
zur Welt bringt,... (Luther-Bibel)

Hat Paulus gesagt, dass eine verführte Frau wieder mit Gott versöhnt
wird, dadurch dass sie ein Kind bekommt? Sollte er das wirklich so gemeint
haben? Das kann doch gar nicht sein!


Der Ausdruck "das Kindergebären" ist einmalig! Er kommt nur an dieser
Stelle im Neuen Testament vor! Es ist wichtig zu bemerken, dass dieses Wort
kein Verb ist, sondern ein Substantiv. Vor diesem Substantiv steht ein bestimmter
Artikel, der auf ein bestimmtes "Kindergebären" hinweist.


Ich glaube, dass Paulus hier immer noch Parallelen zu Eva zieht, der anderen
verführten Frau, die auch Errettung nötig hatte. Paulus sagte, dass
diese ungenannte Epheserin gerettet werden kann durch IHN, dem verheißenen
Kind, das geboren wurde, um alle Menschen zu retten (Jesus). Vielleicht bezieht
sich Paulus auf die erste Verheißung des kommenden Messias (1.Mose 3,15),
der als Nachkomme der Eva geboren wird.


Hier geht es um das Thema Errettung, nicht um Mutterschaft.

Sie wird gerettet durch das Kind, das geboren wurde, Jesus! Die zentrale Botschaft
dieses Abschnitts ist Gottes Wunsch für alle Menschen, dass sie gerettet
werden durch den geborenen Retter: Jesus.


Zurück zum Plural:







Mehrzahl (15b)
..., wenn sie bleiben in Glauben und Liebe und Heiligkeit mit Sittsamkeit.

In seiner pastoralen Sorge für alle Frauen kehrt Paulus plötzlich
mitten im Satz zum Plural zurück. Er spricht nun alle Frauen an und sagt,
dass alle Frauen Jesus brauchen. Die Erlösung würde ihnen gehören,
wenn sie weiterhin bleiben im Glauben, in der Liebe und in Heiligkeit.

Damit hat Paulus seinen Mini-Chiasmus abgeschlossen.


So wie er wollte, dass eine Frau gerettet würde, so wollte er auch, dass
alle Frauen gerettet werden. Was für ein passender Schluss für einen
Abschnitt, der damit begann, dass Gott will, dass alle Menschen gerettet werden
durch seinen Sohn Jesus Christus.


Auch Frauen sind Leiter - 1. Tim. 3,1-13


Die Struktur des Abschnitts ist identisch zur vorhergehenden Struktur aus
1. Tim. 2, 1-15.
























[Alle]
Allgemeines Prinzip
(1)
Das Wort ist gewiss: Wenn jemand nach einem Aufseherdienst trachtet, so
begehrt er ein schönes Werk.
[Aufseher]
Beispiel 1
(2)
Der Aufseher nun muss untadelig sein, Mann einer Frau, nüchtern, besonnen,
sittsam, gastfrei, lehrfähig,

(3) kein Trinker, kein Schläger, sondern milde, nicht streitsüchtig,
nicht geldliebend,

(4) der dem eigenen Haus gut vorsteht und die Kinder mit aller Ehrbarkeit
in Unterordnung hält

(5) - wenn aber jemand dem eigenen Haus nicht vorzustehen weiß, wie
wird er für die Gemeinde Gottes sorgen? -

(6) nicht ein Neubekehrter, damit er nicht, aufgebläht, dem Gericht
des Teufels verfalle.

(7) Er muss aber auch ein gutes Zeugnis (guter Ruf) haben von denen, die
draußen sind, damit er nicht in übles Gerede und in den Fallstrick
des Teufels gerät.
[Diener]
Beispiel 2 - Männer
(8)
Ebenso die Diener: ehrbar, nicht doppelzüngig, nicht vielem Wein ergeben,
nicht schändlichem Gewinn nachgehend,

(9) die das Geheimnis des Glaubens in reinem Gewissen bewahren.

(10) Auch sie aber sollen zuerst erprobt werden, dann sollen sie dienen,
wenn sie untadelig sind.
[Diener]
Beispiel 2 - Frauen
(11)
Ebenso sollen die Frauen ehrbar sein, nicht verleumderisch, nüchtern,
treu in allem.
[Diener]
Beispiel 2 - Männer
(12)
Die Diener seien (jeweils) Mann einer Frau und sollen den Kindern und den
eigenen Häusern gut vorstehen;

(13) denn die, welche gut gedient haben, erwerben sich eine schöne
Stufe [Luther: gutes Ansehen] und viel Freimütigkeit im Glauben, der
in Christus Jesus ist.


(1) Das Wort ist gewiss: Wenn jemand nach einem Aufseherdienst
trachtet, so begehrt er ein schönes Werk.

Paulus benutzt wieder einmal das Wort "jemand", wenn er über die spricht,
die Leiter werden wollen. Dieses Wort ist nicht geschlechtsspezifisch, das
heißt, es schließt beide Geschlechter ein. Deswegen können
wir in Klammern "oder sie" einfügen. Außerdem ist es eine gute Sache,
wenn Männer und Frauen danach streben, geistliche Leiter zu werden.


(11) Ebenso sollen die Frauen ehrbar sein, nicht verleumderisch,
nüchtern, treu in allem.

Als Paulus zu den Frauen sprach, benutzte er wieder den Ausdruck "in gleicher
Weise". Den gleichen Ausdruck hat er auch in 1.Tim. 2, 9 gebraucht ("ebenso", "desgleichen" oder "in
gleicher Weise"). Dort und hier baut er mit diesem Ausdruck die Brücke
zwischen Männern und Frauen, in dem er beide gleichermaßen behandelt.


Diakone oder Ehefrauen?


Das griechische Wort "gunä", das Paulus in Vers. 11 benutzt, kann mit "Frau" oder "Ehefrau" übersetzt
werden. Der Zusammenhang lässt erkennen, welche Bedeutung passt.


Einige Übersetzungen (z. B. Luther) geben den Vers 11 so wieder als ob
die Ehefrauen der Diakone gemeint seien:

(11) Desgleichen sollen ihre Frauen ehrbar sein, nicht verleumderisch,
nüchtern, treu in allen Dingen. (Luther-Bibel)

Wenn man hier "gunä" mit Ehefrauen wiedergeben will, so muss man das Pronomen "ihre" einfügen,
das jedoch im griechischen Text nicht vorkommt. Wenn die Übersetzer das
tun, so geben sie dem Leser die Tendenz vor, in dem sie nur eine Auslegung zulassen.
Die Elberfelder Bibel bleibt hier und an anderen Stellen wesentlich genauer am
griechischen Text.


(11) Ebenso sollen die Frauen ehrbar sein, nicht verleumderisch,
nüchtern, treu in allem. (Elberfelder Übersetzung)

Was meinte Paulus: Frauen oder Ehefrauen?

Worüber spricht Paulus? Über die Ehe oder über die Leiterschaft?
In welcher Beziehung stehen die Frauen aus Vers 11 zu den Männer in den
Versen 8-10? Sind diese Frauen ihre Ehefrauen oder sind sie Kollegen im geistlichen
Dienst?


Es kann doch wohl kaum gemeint sein, dass ein Mann sich nur für einen
Dienst eignet, wenn seine Ehefrau bestimmte Kriterien erfüllt. Das würde
sogar Paulus selbst ausschließen. Nein, Paulus beschreibt hier die Eigenschaften,
die gottesfürchtige Frauen haben müssen, um für den öffentlichen
geistlichen Dienst freigesetzt zu werden.


Jeder von uns sollte Gottes Führung folgen für jeden Dienst, den
Gott erwählt. Dies ist wahr für Männer und in gleicher Weise
auch für Frauen.





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pray.de // April 2004